Damit Davos lebenswert bleibt

Ja zum Wohnungskompromiss

Erstwohnungen schützen: Darum geht es​

Davos verliert jedes Jahr rund 50 Erstwohnungen.​

Fast 60 Prozent aller Wohnungen in Davos sind heute Zweitwohnungen. Gesetzlich vorgesehen wären höchstens 20 Prozent. Trotzdem steigt der Anteil weiter, und zwar wegen einer Lücke im Zweitwohnungsgesetz des Bundes.

Wohnungen, die vor 2012 gebaut wurden, gelten als «altrechtlich». Sie dürfen ohne Einschränkung in Zweitwohnungen umgewandelt werden. In Davos betrifft das rund 95 Prozent aller Wohnungen. Wird ein älteres Mehrfamilienhaus umgebaut, ersetzt oder in Stockwerkeigentum aufgeteilt, verschwinden die bisherigen Mietwohnungen oft vom Markt. An ihrer Stelle entstehen Ferienwohnungen, die einen grossen Teil des Jahres leer stehen.

Die Folgen spürt ganz Davos. Pflegefachpersonen, Lehrerinnen, Handwerker und junge Familien finden keine bezahlbare Wohnung mehr. Betriebe finden kein Personal, weil das Personal nicht wohnen kann. Und ausserhalb der Saison bleiben immer mehr Fenster dunkel.

Der Wohnungskompromiss setzt genau hier an. Er schützt den bestehenden Wohnraum vor dem Verlust und finanziert gleichzeitig neuen, bezahlbaren Wohnraum für Einheimische.

Argumente für den Wohnungskompromiss​

Er stoppt den Verlust.

Neue Wohnungen zu bauen reicht nicht, solange gleichzeitig jedes Jahr 50 bestehende Erstwohnungen verschwinden. Wer ein Fass füllen will, muss zuerst das Loch stopfen.

Er schützt und fördert zugleich.

Die Regelung erhält bestehenden Wohnraum. Die Ersatzabgabe finanziert zudem neue und sanierte Wohnungen zur Kostenmiete. So entsteht aus jedem Umbau ein Beitrag an bezahlbaren Wohnraum für Einheimische.

Er ist massvoll.

Betroffen sind nur grössere Mehrfamilienhäuser ab vier altrechtlichen Wohnungen, und nur dann, wenn grosse Veränderungen gemacht werden oder aufgeteilt wird. Die Hälfte der Fläche bleibt frei nutzbar, ein weiterer Teil kann abgelöst werden. Investitionen bleiben möglich.

Er stärkt die Davoser Wirtschaft.

Spital, Schulen, Hotellerie und Gewerbe finden kaum noch Personal, weil es keine Wohnungen gibt. Wer den Wirtschaftsstandort Davos stärken will, muss dafür sorgen, dass die Menschen, die hier arbeiten, auch hier wohnen können.

Er wird breit getragen.

Der Wohnungskompromiss ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen. Der Kompromiss bekam Stimmen aus vier von fünf Davoser Ortsparteien die im Grossen Landrat vertreten sind. Auch der Kleine Landrat steht dahinter.

Damit Davos lebenswert bleibt

Ein Dorf lebt von den Menschen, die das ganze Jahr hier wohnen: in den Schulklassen, in den Vereinen, in den Läden. Damit auch unsere Kinder und Enkel in Davos wohnen können.

Was der Wohnungskompromiss regelt

Schutz und Förderungsmittel zugleich

  • Geltungsbereich: Die Schutzklausel gilt für Gebäude mit mindestens vier altrechtlichen Wohnungen, und zwar nur bei baulichen Eingriffen: Abbruch und Ersatzneubau, Auskernung, Zusammenlegung oder Aufteilung von Wohnungen sowie Begründung von Stockwerkeigentum. Wer nichts verändert, ist nicht betroffen.
  • Erstwohnungsanteil: Bei einem solchen Eingriff muss die Hälfte der bisherigen Wohnfläche als Erstwohnraum erhalten bleiben.
  • Ersatzabgabe: Von diesem Erstwohnungsanteil kann die Hälfte über eine Ersatzabgabe abgelöst werden. Sie beträgt 4’500 Franken pro Quadratmeter, bei touristisch, kurzzeit bewirtschafteten Wohnungen 3’200 Franken. 
  • Schutzwirkung: Ein Viertel der betroffenen Fläche bleibtdauerhaft Erstwohnraum und kann nicht abgelöst werden.
  • Förderung: Die Abgabe fliesst zweckgebunden in den Wohnraumfonds. Daraus werden Neubauten und Sanierungen von Wohnungen zur Kostenmiete unterstützt, mit Beiträgen bis 1’700 Franken pro Quadratmeter. Die Kostenmiete ist durchschnittlich 20% günstiger als Wohnungen auf dem Markt.

Fragen und Antworten

Wirkt der Kompromiss überhaupt?

Ja. Davos verliert heute jedes Jahr rund 50 Erstwohnungen. Der Wohnungskompromiss bremst diese Entwicklung: Bei jedem Ersatzneubau muss ein Teil der Fläche Erstwohnraum bleiben.

Zudem setzt der Kompromiss auch starke Förderanreize. Mit der neuen Ersatzabgabe von 4’500 Franken pro Quadratmeter fördert die Gemeinde bezahlbare Wohnungen zur Kostenmiete mit bis zu 1’700 Franken pro Quadratmeter. So kann Davos den Verlust nicht nur aufhalten, sondern ausgleichen.

Dazu kommt: Wohnungen zur Kostenmiete sind im Schnitt rund 20 Prozent günstiger als Wohnungen auf dem freien Markt. Die geförderten Wohnungen sind damit genau die, die Davos am dringendsten braucht: bezahlbare Wohnungen für die Menschen, die hier leben und arbeiten.

Warum erst ab vier Wohnungen?

Weil die Regel dort ansetzen soll, wo das Problem entsteht. Verloren gehen vor allem Mietwohnungen in grösseren, älteren Mehrfamilienhäusern. Solche Häuser werden oft von Investoren gekauft, abgerissen oder ausgekernt und danach als Zweitwohnungen verkauft. Auf diese Fälle zielt der Wohnungskompromiss.

Viele Einheimische besitzen dagegen ein Haus mit weniger als vier Wohnungen, zum Beispiel ein Einfamilienhaus mit Einliegerwohnung oder ein kleines Mehrfamilienhaus. Diese Wohnungen werden meist selbst bewohnt oder an andere Einheimische vermietet. Sie sind nicht die Ursache des Problems und sollen deshalb auch nicht von der Regel betroffen sein.

So schützt die Grenze kleine Eigentümerinnen und Eigentümer und konzentriert die Regel auf die Fälle mit der grössten Wirkung.

Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus mit vier oder mehr Wohnungen. Was ändert sich für mich?

Solange niemand baut, ändert sich nichts. Die Regel greift nur bei grösseren baulichen Eingriffen: beim Abbruch und Ersatzneubau, bei einer Auskernung, beim Zusammenlegen oder Aufteilen von Wohnungen. Normale Renovationen wie eine neue Küche, ein neues Bad oder neue Fenster lösen die Schutzklausel nicht aus. Das gleiche gilt für energetische Sanierungen wie Arbeiten an der Gebäudehülle oder eine neue Heizung.

Bremst die Regelung nicht Investionen in den Wohnungsbau aus?

Nein. Die Investitionen in Davos bleiben attraktiv. Aber durch die Regel werden sie besser gelenkt. Die Hälfte der Fläche bleibt frei nutzbar. Von der anderen Hälfte kann ein Teil über die Ersatzabgabe abgelöst werden. Wer Erstwohnungen zur Kostenmiete schafft oder erhält, bekommt zudem Beiträge aus dem Fonds. Und: Mit einem Ja endet die heutige Planungszone, und es gelten endlich klare Regeln.

Reicht das, um die Wohnungsnot zu beenden?

Der Wohnungskompromiss ist ein zentraler Teil der Davoser Wohnraumstrategie. Er löst das Problem nicht allein, aber zusammen mit weiteren Massnahmen. Dazu gehören neue Erstwohnungen auf Arealen wie beim Guggerbach, in der Färbi und bei der Klinik Valbella. Aber auch die laufende Mobilisierung der Gemeindeliegenschaften wie Jörg Jenatsch, Vali Meisser oder EW Werkhof.

Bisher hat die Wohnraumstrategie die Entstehung von 500 Erstwohnungen auf den Weg gebracht. Ohne den Wohnungskompromiss verliert Davos aber weiterhin jedes Jahr rund 50 Erstwohnungen. Die Folge wäre: die Wohnungen, die jetzt gebaut und gefördert werden, gehen an anderer Stelle wieder verloren.